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Auf dieser Seite werden in unregelmässigen Abständen Publikationen zum Thema Feuer und Kinder und Jugend vorgestellt. In ihnen wird die Beziehung des Menschen zum Feuer bez. ihrer Herkunft und ihrem Umgang samt Konsequenzen fundiert, klischeefrei und kritisch thematisiert. Die Auswahl der Publikationen ist subjektiv. Sie resultiert aus den Erfahrungen, dass jedes Werk meine thematischen Kenntnisse erweitern konnte. Zum Einstieg eigener Auseinandersetzung mit der Beziehung Mensch und Feuer werden insbesondere die "Klassiker" empfohlen .
EMPFEHLUNGEN
KLASSIKER REZENSIONEN
EMPFEHLUNGEN
"Feuer und Flamme - ein Bildungsthema" Themenschwerpunkt der Zeitschrift PÄD Forum: Unterrichten und Erziehen 4/2008 in der Moderation von Prof. Dr. GUNDEL MATTENKLOTT und KAIN KARAWAHN - Feuer-und-erziehungskompetente Autoren (Prof. Dr PETRA KATHKE, FRIEDER KIRCHER, IRENE KÖLBL, Prof. Dr. DIETER RICHTER, Prof. Dr. MICHAELA SCHWARZBAUER und die Moderatoren) publizieren zum ersten Mal in dieser Bündelung Feuerbildungserkenntnisse in Praxis und Theorie.
Marbacher Magazin 123.124 | Strahlungen. Atom und Literatur
Von HELGA RAULFF. Mit zum Teil unveröffentlichten Texten von HANS BLUMENBERG, HERMANN BROCH und KARL LÖWITH, kommentiert von MARCEL LEPPER, JAN BÜRGER und REINHARD LAUBE. 2008. 160 Seiten, zahlreiche farbige Abb. Broschiert. ISBN 978-3-937384-48-1
INHALT
Die rote Linie
Die Wörtersammler
Asche und Ambivalenz
Das Medium und die Botschaft
Ein höheres Licht
Die Bombe denken
Der Tag X und der Tag danach
Lehrspiele, Lustspiele
HERMANN BROCH: Zwei Briefe an Yvan Goll, kommentiert von Jan Bürger
HANS BLUMENBERG: Atommoral. Ein Gegenstück zur Atomstrategie, kommentiert von Marcel Lepper
KARL LÖWITH: Ein Diskussionsbeitrag zu »Atomenergie und menschliche Verantwortung«, kommentiert von Reinhard Laube
Der griechische Philosoph DEMOKRIT (460 bis 371 v.u.Z.) definierte alles Sein, materiell und immateriell, aus kleinsten Teilchen zusammengesetzt:
Es gibt nichts als die Atome und den leeren Raum; alles andere ist Meinung.*
Es dauerte dann keine 2.500 Jahre, bis die ganze Menschheit den Zeitpunkt erreicht hat, sich einfach nur aufgrund einer Meinungsverschiedenheit in ein atomares Puzzle verwandeln zu können. Ja, seit dem ersten Atombombenabwurf am 6. August 1945 um 8:15 morgens in Hiroshima haben sich die Entleerungskräfte menschlichen Wirkens vervielfacht. Wenn weitere atomare Auslöschungen irdischer Biologie nicht dem Zufall zufallen, dann müssen wir sie doch aus den Knöpfen politischer oder religiöser Entscheider erwarten oder?
Und so begannen Philosophen und Schriftsteller sich nach Hiroshima mit dem atomaren Feuer und dessen geistiger Verwüstung auseinander zu setzen. Denn, wer derartiges Fanal, egal ob als Augen- oder Zeitzeuge überlebt, für den ist Sprachlosigkeit der schlechteste Weg zu Trost und Verbesserung.
"Auf das »Debüt des atomaren Zeitalters in Japan« (Brecht) reagieren Schriftsteller wie Nelly Sachs, Arno Schmidt, Hans Henny Jahnn, Marie Luise Kaschnitz, Günter Eich, Heinar Kipphardt, Ernst Jünger und Friedrich Dürrenmatt, Philosophen wie Martin Heidegger, Karl Jaspers, Hans Blumenberg und Karl Löwith." Und auf deren Gedichte, Briefe und Vorträge sollten unbedingt auch Schüler von heute reagieren.
*Und wie sich eine "Meinung" über Atome naturphilosophisch bilden läßt, darüber hat dann der röm. Dichter und Philosoph LUKREZ ( ca. 97 bis 55 v.u.Z.) einen universalen Weltenreim geschrieben - ein literarischer Genuß in sechs Büchern namens "De rerum natura - Welt aus Atomen".
Weiterer Literaturtip zum Thema:
"Achtung Sprengarbeiten!" Eine Pflichtlektüre über Bombardements in Gesellschaften und Künsten
REZENSIONEN
Herausgeber NGBK (Neue Gesellschaft für Bildende Kunst)
Achtung Sprengarbeiten!
Über die Sprengkraft von Worten, Bildern und Taten
Achtung Sprengarbeiten! erforscht das Phänomen Sprengung und seine gesellschaftlichen Implikationen von Macht und Ohnmacht. Das Thema wird auf die vier Schwerpunkte Spektakel, Intervention, Gefahrenzone und Dekonstruktion fokussiert.
AutorInnen:
Thomas Brandstetter, Mike Davis, Eckhard Gruber, Shirin Homann-Saadat, Martin Regenbrecht, Jörg Rennert, Ludwig Seyfarth, Annette Taubert, Christoph Tempel
KünstlerInnen:
BNB-Ballistic (David Baur/Markus Nießner), Marita Damkröger, Eiko Grimberg, Rudolf Herz/Ruth Toma, Shirin Homann-Saadat, Peter Kees, Eberhard Klöppel, William Kentridge, Friederike Klotz, Holger Lippmann/Alekos Hofstetter, Ulrike Mohr, Holger Meins/Aktionsgruppe Starbuck, Oliver Siebeck, Rosemarie Trockel, Mathilde ter Heijne, Aoife van Linden Tol, Annette Wehrmann, Hans HS Winkler
Berlin 2007
136 Seiten - Zahlreiche Abbildungen - ISBN: 978-3-938515-10-5
Ausführliche Rezension: hier
Melanie Jordan
Erprobung einfacher Versuche im Rahmen der Brandschutzerziehung einer zweiten Klasse der Zürich-Grundschule - Schriftliche Prüfungsarbeit zur zweiten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers - Berlin 2006
Es gehört viel Mut dazu, wenn eine feuerberufsfremde Referendarin das Medium Feuer nicht nur zum Unterrichtsthema in einer Grundschule in Berlin-Neukölln wählt, sondern hierüber auch ihre Examensarbeit verfasst. Und so wird aus MELANIE JORDANs grundschulklassenkleiner Untersuchung angesichts des seit Jahrzehnten mangelhaften Zustandes der wissenschaftlichen Auseinandersetzung in der Thematik FEUER und PÄDAGOGIK zwangsläufig ein immens wichtiger, weil aktueller, Beitrag.
Ausgehend vom chronischen Verständnis-, Kenntnis- und Zeitmangel kindlicher Feuer(erziehungs)praxis in Kindergärten und Schulen, ausgehend von Forderungen des Symposiums KIND und FEUER, insbesondere nach Einführung einer "Feuerpädagogik" , und ausgehend von bisherigen Modellen allgemeiner Brandschutzerziehung entwickelt JORDAN ihr eigenes Konzept im Stil einer "erweiterten" Brandschutzerziehung, in dem sie z.B. die durchschnittliche Brandschutzerziehungsstundenzahl pro Grundschulklasse von 2 um 650% auf insgesamt 13 Stunden erhöht, sowie 7 Stunden davon allein für das selbstständige Feuermachen der SchülerInnen vorsieht.
Desweiteren startet die Pädagogin JORDAN ihr Projekt nicht mit dem Grundfehler, von Erwachsenen entworfene Feuer(gefahren)definitionen für Kinder zu übernehmen, sondern ermittelt noch vor Ausarbeitung ihrer Unterrichtseinheiten per Fragebogen das eigene Feuerwissen und -gefühl "ihrer" Grundschulkinder - denn eben nur derart sich eine feuerthematische Ausgangssituation für die Zusammenarbeit zwischen LehrerIn und SchülerInnen definieren läßt - und im übrigen beweist das Resultat dieser hervorragenden Fragebogenaktion von JORDAN die dringend gebotene Notwendigkeit, in einer breit angelegten Studie endlich einmal grundsätzlich die Feuerbefindlichkeit heutiger Kinder und Jugendlicher zu ermitteln.
Und so haben dann auch von insgesamt 23 SchülerInnen 82% gleich die erste von 14 Aussagen bejaht, die da lautet: "Ich habe Angst vor Feuer," (S.20). Somit ein Pädagoge in empirisch einfachster Weise lernt, dass er seiner Klasse nicht mehr Angst vor Feuer zu lehren hat, denn seine SchülerInnen ja schon zu 4/5 damit verimpft sind, somit er diesen verängstigten/feuerverunsicherten Jugendlichen zum Erreichen altersgerechter Feuerkompetenz ergo als erstes ihre Angst vor Feuer zu nehmen hat. Und so liegt JORDAN denn auch in ihrer Recherche zur Thematik KIND und FEUER mit der Erkenntnis richtig, dass es heutigen "... Kindern durch ihre Lebensumstände erschwert wird, ein erfahrungsgestütztes Verhältnis zum Feuer zu entwickeln. Eine systematische Gefährdung von Kindern und Jugendlichen kann jedoch nicht hingenommen werden. Das Feuer aus der Wahrnehmung von Kindern auszublenden ist pädagogisch nicht vertretbar. Die Kinder müssen selbst Kompetenzen und Verantwortung lernen" (S. 4) - doch begeht sie leider den Fauxpas, gleich in der ersten Unterrichtstunde ihre SchülerInnen mit der Katastrophe eines Wohnungsbrandes, also einem Feuerangsterlebnis, zu konfrontieren.
Ungeachtet dessen folgen dann erfreulicherweise die bereits erwähnten, mehreren Unterrichteinheiten des Feuermachens und -forschens mit Streichholz und Kerze - JORDAN auch hier mit Verwunderung, denn es handelt sich um eine Grundschulklassenstufe 2, feststellt: "Für viele ist es das erste Streichholz ihres Lebens" (S.26) - immer wieder verbunden mit Zeiten gemeinsamer Reflektion seitens der SchülerInnen bezüglich des Gemachten (Brennversuche), des Besichtigten (Feuerwachenbesuch) und des Gelernten (Feuerwissensabfragen), sodaß nach 13 Einzelstunden JORDAN zufrieden konstatieren kann, daß "alle Schüler auf eine Reihe von Erfolgserlebnissen zurückblicken"(S.45), daß "Entfremdung vom Feuer, Unsicherheiten und Ängste behoben bzw. gemildert werden konnten, da am Ende alle Schüler über umfangreiches Wissen und Routine im Umgang mit Feuer verfügten" (S.44).
Somit ist JORDANs Examensarbeit ein MEILENSTEIN , denn ein seltener, unschätzbarer, aus der PRAXIS GEWONNENER Studienbeleg zeitgemäßiger pädagogischer Erkenntnis, dass sich altersgerechte Feuerkompetenz und Feuergefahrensensibilisierung im Bereich der Grundschule, eben an heutzutage hochgradig feuerverängstigten Kindern, nachhaltig nicht durch bisherige Brandschutzerziehung in zwei bis drei Stunden erzielen läßt, daher das Studium von JORDANs Examensarbeit allen an Erkenntnis und Progress Interessierten leuchtendst zu empfehlen ist.
Winfried Barnett
Psychiatrie der Brandstiftung Eine psychopathologische Studie anhand von Gutachten Darmstadt 2005
Es gibt nicht nur die Geschichte der Brandstiftungen dieser Welt, sondern es gibt auch eine TERMINOLOGISCHE GESCHICHTE DER BRANDSTIFTUNG. Sie hatte ihren Anfang in der Tatsache, dass die Menschen das Feuer schon immer dazu genutzt haben, Andersseiende/s auszubrennen. Daraus professionalisierte sich das sog. BRANDSCHATZEN, erst plündern und dann anzünden, und galt jahrtausendelang als triumphaler Vollzug von Siegen.
Brandschatzungen im Auftrag von Monarchen, Religionen und Staaten wurden Krieg genannt und blieben daher weitestgehend straffrei für die Gewinner. Brandschatzende Grüppchen oder Einzeltäter wurden dagegen als MORDBRENNER bezeichnet und auf Scheiterhaufen öffentlich-festlich zur Hölle verdonnert.
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts erregte dann plötzlich vermehrtes Auftreten von Inbrandsetzungen ohne Plünderung sogar wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Der hohe Mädchenanteil unter den Zündelnden stürzte damalige Polizei, Psychiatrie und Justiz bez. der Erkundung eines Tatmotivs in erhebliche Erklärungsnöte. Und so wurden aus jungen Mägden, die aus "Heimweh" die Häuser ihrer Besitzer angezündet hatten, in der Fantasie männlicher Ermittler Feuerkranke, die von sexuell-orientierter/verwirrter Feuerlust getrieben worden sein müssen, somit von da an die Begriffe PYROMANIE und BRANDSTIFTUNG ihre jungfräulichen, ihre pathologischen Definitionen erfahren haben. Bez. des Wortes PYROMANIE handelte es sich allerdings um einen "Bedeutungsdiebstahl", denn dieses Wort bis dato in schriftlichen Zeugnissen des 18. Jahrhunderts in völlig anderen - chemisch-medizinisch-physikalischen - Zusammenhängen verwendet worden war - einer Art Gelehrtenstreit, der die Lager in PYROMANEN und PYROSOPHEN teilte.
Wie und Warum es seit dem 19. Jahrhundert immer wieder neue Erklärungsversuche für "grundloses", also nichtkriegerisches, Inbrandsetzen gab, dieses und mehr ist mit einem guten Fremdwörterlexikon phasenweise auch für interessierte Laien spannend nachzulesen im Buch von WINFRIED BARNETT von der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg. Er kategorisiert, dokumentiert und kommentiert historische Verständnisse und Missverständnisse verschiedenster Erscheinungen privatpersonaler Brandstiftung in englisch- und deutschsprachiger Literatur. Im Abgleich mit repräsentativen Erkenntnissen aus eigener Forschung folgert er daraus die Ablehnung der weiteren Verwendung des Terminus PYROMANIE. Denn die Diagnose FEUERTRIEBKRANKHEIT ist für keinen der ihm bekannten Fälle, ebenso auch in nachträglicher Bewertung historischer Brandstiftungen, mehr haltbar, ja, einige von den Mädchen-mit-den-Schwefelhölzern-Delikten aus dem 19. Jahrhundert werden auch in heutigen Fachkreisen immer wieder neu diskutiert. In den seltenen Fällen, in welchen Delinquenten sich eine Feuermachengewöhnung zulegen zur Steigerung angenehmer oder Minderung unangenehmer Affekte, plädiert BARNETT für die Verwendung der Formulierung NICHT INSTRUMENTELL MOTIVIERTE SERIENBRANDSTIFTUNG.
BARNETT zeigt sich im weiteren Verlauf seiner Untersuchungen auch immer wieder verwundert darüber, und deswegen gibt es ja auch diese website und das Symposium KIND und FEUER und hoffentlich noch viel mehr, dass in so gut wie keinem psychiatrischen Gutachten die Beziehung der Delinquenten und Probanden zum Feuer, deren individuelle, deren FEUERSPEZIFISCHE LERNGESCHICHTE, wie er es nennt, Untersuchungsbestandteil der Täter- und Tatbegutachtung war. Er schreibt hierzu u.a.: "Bis auf die Einzelfallkonzeption von Fineman (1980, 1995) findet die feuerspezifische Lerngeschichte in keiner Studie Berücksichtigung. Dieser Umstand ist um so erstaunlicher, als dass geradezu der gesunde Menschenverstand die Bedeutung derselben nahe legt, und die vorliegende Untersuchung zeigt, dass sie seit mehr als 100 Jahren von nicht verhaltenstherapeutisch ausgebildeten Sachverständigen durchaus erhoben wird. In der Tat liegt es für den forensisch-psychiatrischen Gutachter um so näher, Vorerfahrungen mit Feuer, ihre Bedeutung für den Probanden und deren Zustandekommen zu explorieren, je weniger die Tat instrumentell motiviert und dem einfühlenden Verstehen zugänglich ist, um den Gericht die spezielle Tatgenese zu verdeutlichen und damit zu beantworten, warum in der gegebenen Situation ausgerechnet eine Brandstiftung und kein anderes Delikt begangen oder Verhalten gezeigt worden ist ... Einzelfälle in unserem Material belegen, dass der feuerspezifischen Lerngeschichte zahlenmässig eine noch grössere Bedeutung zukommt als sich in der vorliegenden Untersuchung abbildet, weil einige individuelle Lernerfahrungen so speziell waren, dass sie von den für das Erhebungsinstrument konstruierten Items nicht erfasst wurden: Ein Proband war beispielsweise auf die Idee gekommen, zur emotionalen Spannungsabfuhr Autos mit nicht verschließbarem Tankdeckel mittels in den Tank gelegter benzingetränkter Lappen anzuzünden, nachdem er ein Video mit explodierenden Autos gesehen hatte ..." (S.120f)
Steinkopff Verlag - Preis € 74,95
Andy Müller
Feuer – Von der Steinzeit bis zum Brennglas Salden 2004
Es scheint unvorstellbar, dass wir jemals wieder in die urmenschliche Situation geraten, wo persönliches Weiterleben von der Fähigkeit abhängt, eigenhändig ein Feuer erzeugen zu müssen. Und doch gibt es Ereignisse (Tsunamis, Wirbelstürme, Erdbeben, Überschwemmungen, Vulkanausbrüche, Krieg), die uns urplötzlich, mitunter tagelang, knopfdruckauszulösenden Bequemlichkeiten soweit entfernen, dass es von Vorteil sein kann, sich vorher eine Feuerversicherung angeeignet zu haben. Nicht die jährlich zu bezahlende, sondern die einmalig zu erlernende: mit Holzstöckchen oder Feuerstein oder Glasscherbe.
Zwar sind Erwähnungen und Oberflächlichkeiten über primitive Feuerzeugung in üblicher Kinder-, Jugend-, Pfadfinder-, Survival- und Ethnologieliteratur aufzuspüren, zwar verinnerlicht Gaston Bachelard in seinem Buch Psychoanalyse des Feuers den geistigen Prozess, welcher sowohl die Erfindung der Feuererzeugung ermöglichte, als auch während handlicher Praxis abläuft, zwar präsentiert Sture Lagercrantz in seinem Buch African Methods of Fire-Making zahlreiche Bildbeispiele und kurze Beschreibungen derlei Techniken und ihrer historischen Verbreitung, zwar beschreibt Hertha Krick in ihrem umfassenden Werk Das Ritual der Feuergründung präzise indoreligiöse Besetzungen feuererzeugender Materialien und Konstellationen, eben so wie sie auch heute noch in Teilen Indiens zu erfüllen sind, zwar hat auch Karawahn in seinem Pyroporno mythologischen und sexuellen Aspekten der Feuererzeugung entsprechenden Raum eingeräumt, doch eine ausführliche Untersuchung und Darstellung über die rein praktische Seite, eben den entscheidenden MATERIALIEN UND METHODEN DER KOMPLEXEN KULTURTECHNIK FEUERMACHEN, diese Lücke hat nun endlich der Schweizer Andy Müller verfüllt.
All seine Erkenntnisse zu Zunder, Feuersteinen und Zündwerten europäischer Hölzer entstammen eigenhändigen Versuchsreihen. U.a. hat er in über 3.500 Feuererzeugungen per Holzstöckchen nach dem optimalen Holzpärchen gesucht, um sodann alle Probierpaarungen tabellarisch zu kommentieren.
In anderen Kapiteln finden sich weitere Tabellen und Abbildungen zu Monshärten von feuermachtauglichen Steinen und Höhen von Bäumen und Pflanzen. Derlei petrologische und försterliche Überfrachtung bilden zusammen mit einem zuweilen arg autodidatischen Mitteilungsstil, Andy Müller outet sich als Indianerbruder, die weniger gelungenen Partien eines Buches, dass höchstwahrscheinlich ohne den Aufwand für derlei Informationen weitaus preisgünstiger zu haben sein könnte.
Trotz allem ist es durch Müllers ausführliche Untersuchung, Beschreibung, Abbildung und Kommentierung handgreiflicher Feuererzeugungen endlich möglich, die zivilisationsgründende Kulturtechnik der Menschheit auch einmal eigenmächtig auszuprobieren und beherrschen zu lernen. Somit ist das besprochene Buch ein sehr nützliches Werk bez. dieser Thematik, zumal es von einem Autoren stammt, der tatsächlich auch alle Feuer gemacht hat, über die er schreibt!
Preis € 25,00 - erhältlich samt weiterer Zündartikel unter www.androma.net
KLASSIKER
Gaston Bachelard
Psychoanalyse des Feuers München Wien 1985 (Original 1949)
Wer bereits im Vorwort seines Buches darauf hinweist, daß der Leser am Ende seine Kenntnisse in nichts erweitert hat, pflegt auch im Umgang mit dem Feuer die Ironie als Ambivalenz. Der französische Philosoph Bachelard, Gründer der Wissenschaft von der Erkenntnistheorie, hat aus zahlreichen, naiven, psychologischen und poetischen Interpretationen des Feuers, vorzeitlich bis neuzeitlich, derart viel “Wahrheiten" bez. der Prägungen menschlicher Beziehung zum Feuer erkannt, dass dieses Buch wohl niemals seinen Platz im Fundament einer ewig brennenden Bibliothek verlöschen wird!
Elfriede & Eberhard Binder
Das gezähmte Feuer Berlin 1989 (Original 1982)
Es ist das einzige Kinderbild- und -lesebuch zum Thema Feuer, welches sich konsequent und inspirierend mit Vorteilen und Schönheiten menschlicher Feuernutzung auseinandersetzt. Die Autoren haben interdisziplinär bestens recherchiert, bebildern gleich auf den ersten Seiten sowohl das mythologische Konzept des Feuerraubens, als auch den entscheidenen Auslöser für menschliches Feuerhabenwollen, den "Run" zum vom Blitz getroffenen (Stamm)baum aller Küchenfeuer der Menschheit, um über alle weiteren Errungenschaften der Mensch- und Feuerpaarung dann auf der letzten Seite leider doch noch ein brennendes Haus präsentieren zu MÜSSEN?! Da diese Doppelseite im Gegensatz zu allen anderen Illustrationen nicht kommentiert wird, und das Buch ja das gezähmte Feuer heisst, ist hier vermutlich von damaliger höherer DDR-Instanz aus ihrem Sicherheitsbedürfnis heraus eben die Allgegenwärtigkeit des UNgezähmten Feuers - höchstwahrscheinlich nachträglich - verordnet werden, eben als Dachstuhlbrand (sic). Trotzdem ist dieses Buch immer noch eines der aktuell besten Kinderbücher zum Thema Feuer, sowie ein brennWERTvolles Sammlerstück!
James G. Frazer
Myths of the Origin of Fire New York 1996 (Original 1930)
Unverzichtbar zum Verständnis kindlicher Sicht auf das Phänomen Feuer ist die vom englischen Ethnologen Sir James G. Frazer zusammengetragene, umfangreiche und brilliant kommentierte Sammlung internationaler Feuerherkunftsmythen. Einerseits Nachschlagewerk und andererseits Vorlesebuch, wenn Kinder Englisch verstehen oder sich die lohnende Mühe eines erzählerischen Übersetzens einzelner Mythen gemacht wird!
Max Frisch
Biedermann und die Brandstifter Frankfurt am Main 1991 (Original 1958)
Drama des Schweizer Schriftstellers Max Frisch, welches seine Zeitlosigkeit wahrscheinlich niemals verlieren wird. Denn dass jemand Serienbrandstifter in sein Haus läßt in der Hoffnung, dass diese dann eben sein Haus und “ihr" nun neues Zuhause schon nicht anzünden werden, ist leider immer noch heute praktizierte Selbsttäuschung in realen Fällen geistiger Schadenbrandstiftung. Nicht nur jugendliterarisch wertvoll!
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.)
Feuer: Ergebnisse des internationalen Kongresses vom 26.-29. Oktober 2000 Köln 2001
Hervorragende Compilation mit Beiträgen aus verschiedenen Disziplinen, in denen eine Auseinandersetzung mit Feuer relevant ist. 600 Seiten naturwissenschaftliche, kulturhistorische, ökologische, philosophische, mythologische, soziologische, architektonische und künstlerische Erkenntnisse auf zeitgenössischem Niveau von Gernot Böhme, Werner Busch, Andreas Denk, Johan Georg Goldammer, Johan Goudsblom, Kain Karawahn, Friedrich Kittler, Georg Kohler, Thomas A.P. van Leeuwen, Stephen J. Pyne, Hans Ulrich Reck, Roman Signer, Hermann Scheer, Peter Schreiner, Friedemann Schrenk, Rudolf A. Treumann, Gerburg Treusch-Dieter uva..
Gundel Mattenklott
Feuer - Lernbögen für den Grundschulunterricht Wald-Michelbach 1994
Die Berliner Erziehungswissenschaftlerin und Leiterin des Fachgebiets Musisch-Ästhetische Erziehung/Grundschulpädagogik an der Universität der Künste Berlin Prof. Dr. Gundel Mattenklott schrieb bereits 1992 in einem Beitrag der Grundschulzeitschrift das Feuer als „Ein Element zum Spielen und Lernen“. In vorliegender 60seitiger Kompilation proklamiert und offeriert sie als erste, dass die Herbeiführung eines verinnerlichten, selbstsicheren Umgangs mit Feuer bei Kindern und Jugendlichen auch über die Verwendung literarischer, mythologischer und religiöser Feuerverständnisse und -verwendungen erreicht werden kann und - dieses Werk ist nicht nur Pädagogen eine Bereicherung.
Philip Pullmann
Lila läßt die Funken fliegen Hamburg 2004
Ein Mädchen, welches sich als Feuerwerkerin berufen fühlt, steigt in einen Vulkan, um höchste Ausbruchskunst zu erfahren. Der englische Autor verschmelzt Menschenwesendes und Jungseiendes, Feuerwerkendes und Vulkanmachendes zu anschaulichster Jugendliteratur, welche alle Jugendwissenswerke über Vulkane in ihrem aufklärerischen, ihrem sinnlich-naturalen Anspruch weit hinter sich verrauchen läßt ... Zitat aus Lilas Beobachtungen während ihrer ersten Schritte im vulkanischen Gewölbe: "Alles in der Höhle geriet in Bewegung. Tausende Feuerkobolde flogen nach oben, prallten gegen den Felsen und zerteilten sich zu tausend weiteren Kobolden [...] Dann steckten die gierigen Geschöpfe ihre roten Hände hinein, schöpften den brodelnden Schwefel an ihre Münder und tranken"
Maria Rius und Joseph Maria Parramón
Feuer Barcelona 1985
Eines der seltenen Kinderbücher, in welchem die Faszination verschiedener Brennprozesse von den spanischen Künstlern Maria Rius und Joseph Maria Parramón in kinderaugenfaszinierende Flammenfarben, -formen und -situationen äußerst gelungen umgesetzt ist. Dabei werden die Feuersgefahren keineswegs ausgeklammert, sondern sind innerhalb des gesamten Buches eingebettet in positive Nutzungen menschlichen Umgangs mit Feuer. Somit dominieren nicht Angst und Schrecken vor Feuer, sondern feuereigenschaftliche Ambivalenz - woraus leider auch lebensgefährliche Entwicklungen entstehen können, die eben darum unbedingt verhindert werden müssen. Im Anhang findet sich ein mit leichten inhaltlichen Schwachstellen verfasster Textteil, doch insgesamt ist dieses Buch eine sehr empfehlenswerte Ausnahme.
Hans Zulliger
Kind und Feuer - Über jugendliche Brandstifter und Brandverhütung Bern 1960
Der Schweizer Lehrer, Psychotherapeut und Schriftsteller resümiert in seinem Werk nach Analyse von Fällen kindlicher und jugendlicher Schadenbrandstiftungen, dass zukünftige Feuerschadenereignisse nur dadurch vermieden werden können, wenn bereits im Kindesalter eine "Menge solcher kleinen Spiele, die notwendig sind, damit das Kind lernt, was das Feuer ist und wie man mit ihm umgehen muss ...“ praktiziert werden. Unverzeihlich, dass Zulliger damit so gut wie kein Gehör fand, weder in Pädagogik, Psychologie, Justiz und Therapie noch bei den Brandschutzerziehungen - dieses Buch verdient eine Neuauflage.
Zur umfangreichen Literaturliste zum Thema Feuer (über 350 Bücher) können Sie sich über die website www.ichbrenne.de durchbrennen zur Taste BRANDSTIFTUNG/Sammlungen/Brennende Bibliothek. |