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Feuer in Auszügen
Feuer & Aberglauben
... Da wir Menschen grundsätzlich dazu neigen, nach Zeichen Ausschau zu halten und wenn keine brauchbaren da sind, eben selber welche zu erfinden, und all diese dann entsprechend widersprüchlich zu interpretieren, ist das Feuer bis heute eine dankbare Projektionsfläche für entsprechend Irrationales geblieben. Die Ambivalenz des Feuers prädestiniert dieses Medium für den Menschen ganz besonders zum Spiel mit demselben, zum Spiel um Leben und Tod, wie es denn auch in zahlreichen feuerlichen Liebe(s)- und Todbräuchen nicht nur im deutschsprachigen Raum zu finden ist ...
Auszug aus "Vom Aberglauben der Feuerliebeszauber zum Irrglauben der Pyromanie." In: Pyroporno
Feuer & Alkohol
... Löscht Wasser Feuer oder löscht Feuer Wasser? Oder ergibt das Zusammentreffen von Feuer und Wasser ein brennendes Wasser? Und ist es dann ein nasses Feuer oder ein Feuerwasser? Wurde vielleicht aus diesen brennenden Fragen ein köstliches Konzentrat destilliert: das BLAUE FEUER? Blau riechen, Blau schmecken, Blau hören, Blau sehen, Blau fühlen S einfach mal Blau machen. Denn die blaue Flamme ist die schadstoffärmste aller sichtbaren Flammen. Und ist vielleicht darum das Feuerwasser ein geistiges Getränk, weil es eben in Blau verbrennt? ...
Auszug aus einem 60minütigen, bisher unveröffentlichten Vortrag
Feuer & Auto
... wenn etwas energetisch auto war und ist und sein wird, dann ist es die Thermodynamik mit ihren zugrunde liegenden Brennprozessen, somit Feuer. Gestartet wurde dieses kosmisch einzigst echte AUTOFEUER mit Urknall. Seine Automobilität brannte Galaxien, Sonnen und Planeten hervor und gilt universal als autonome Ursache der Fahrtrichtung Zeit. Auf einer dieser planetaren Autofeuerkugelgaragen evolutionierte dann in entsprechend langer Autobrennzeit einer ihrer Autochtonen zum Schlüssel des anthropogenen Zündfunkens. Diese kosmisch bislang einmalige, autodidaktische Kenntnis und Fähigkeit hat unsere Spezies leider bisher überwiegend dazu genutzt, die Energetik von Bombenautomaten zu maximieren - obwohl bereits beim frühen Boxenstop an autofeuermythologischer Quelle so autobiographisch stimmig vollgetankt werden konnte ...
Auszug aus "AUTObRENnSPORT: Vom Urknall zur Autobombe - Ursprung, Unbilden und Unregelmäßigkeiten eines autoreifen Spiels." In: "Auto", Gerburg Treusch-Dieter u.a. (Hrsg.), Tuebingen 2004, S.73ff
Feuer & Bildende Kunst
... Es ist auffällig, daß alle genehmigten Veranstaltungen im urbanen Raum, in welchen in künstlerischer Absicht offenes Feuer verwendet wird, so weit mir bekannt ist, so gut wie keine Katastrophen verursachen bzw. sich höchstens die Künstler selber die Finger verbrennen. Es kommt häufig vor, daß sowohl Behördernvertreter, als auch Feuerwehr nach der Realisation das shake hands mit den Feuermachern suchen, verbunden mit der Frage: wann ist das nächste Mal? In jedem Fall haben wir Feuermacher sie und das Publikum nun um die Erfahrung reicher gemacht, welche inspiratorische Kraft künstlerische Arbeiten mit offenem Feuer im urbanen Raum entfalten können, somit viele Anwesende ihre zeitgenössische Feuerassoziationskette um einen weiteren Begriff erweitert haben: Kerze-Kamin- KUNST -Katastrophe ...
Auszug aus "Sind Sie denn verrückt geworden? - Erkenntnisse über öffentliche Entzündungen im urbanalisierten Raum." In: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), Feuer: Ergebnisse des internationalen Kongresses vom 26.-29.Oktober 2000, Köln 2001, S.471ff
Feuer & Ernährung
... darf nach dem Verzehr von chinesischem Feuertopf unbedenklich russischwodkaisches Feuerwasser getrunken werden? Welche (Ab)Gründe sollten es sein, daß der Energiegehalt von Nahrungsmitteln in Brennwerten angegeben wird, als daß jeder auf eigene Gefahr das zunehmende Risiko einer Selbstentzündung akzeptiert? Denn, was sich da in uns heutzutage speziell industriechemisiert molotowcocktalisieren kann, ist öffentlich bisher nicht thematisiert worden - waren es tatsächlich immer nur mit Sprengstoff behaftete Selbstmordattentäter, die da in letzter Zeit explodiert sind oder handelte es sich vielleicht um unschuldige Fanale von lebenslang aufgenommer, dynamitisierter Ernährung? ...
Auszug aus einem 60minütigen, bisher unveröffentlichten Vortrag
Feuer & Feuermedialität
... daß sich die Feuerassoziationen der Urbanitäter banalisieren konnten auf die Kette Kerze-Kamin-Katastrophe. Und diese urbanalisierte Feuerprägung wird heute zunehmend medial manipuliert ... Auf dem Monitor ist Feuer nur ein wunderschönes Lichtereignis. Hollywoodfireliche Feuerlichtspiele in Actionfilmen basieren auf perfekter Flammenentwicklung. Mit vielen Kameras gefilmt und in der Postproduktion visuell optimiert lassen sich diese topdesignten Feuer konsequenzlos realitätsfern ganz einfach löschen: per Schnitt! Auch in Fernsehnachrichten und Printmedien reduziert sich Feuer auf rein destruktive Qualitäten in Dimensionen wie Katastrophenfeuerbilderquantum, Opferzahlen, Schadensummen, Strafmaße ...
Auszug aus "Wenn Märchenfunken wa(h)r(m) werden ..." In: BRANDSchutzmagazin No 12, Stuttgart 2003, S. 923ff und Pyroporno
Feuer & Frau
...Und wird dann noch weiter in außereuropäische Feuerherkunftsmythen geschaut, ist auffällig, daß wenn das Feuer in Besitz eines Wesens war, daß dieses dann entweder Große Unbekannte oder bestimmte Tiere waren oder auch Menschen - und wenn es Menschen waren, dann sind es immer nur Frauen gewesen. Es findet sich kein einziger Mythos, in welchem Feuer bereits im Besitz von Männern war, bevor es auch Frauen besaßen. Und in allen Feuerherkunftsmythen, in denen Frauen alleinige Feuerbesitzer waren, fällt auf, daß sie dieses in ihrem Körper bewahrten. Aus welchem sie es bei Bedarf jederzeit vaginal oder oral hervorbringen konnten bzw. aus Angst vor Entdeckung eben derart wieder versteckten ...
Auszug aus "Am Anfang waren die Feuerfrauen." In: Pyroporno
Feuer & Griechische Mythologie
... Letztendlich sind im antiken Griechenland die im europäischen Raum bekannten Feuerqualitäten (mythisch, elementisch und philosophisch) kulturgeschichtlich determiniert worden. Diese vor über 2000 Jahren erfundenen Feuerpersonen, -szenarien, -rituale und -erkenntnisse prägen als eine Art Feuergrundlagendefinition auch heute noch das allgemeine Durchschnittswissen über Feuer. Zum Beispiel, daß Feuer eines der vier Elemente ist (Empedokles und Aristoteles), daß ein gewisser Prometheus den Menschen das Feuer gebracht hat, daß das olympische Feuer nach einem bestimmten Ritual entzündet werden muß, daß das griechische Wort für Feuer (Pyr) immer im Zusammenhang mit geheimnisumwitterten Feuernutzen, technischen (Pyrotechnik), triebhaften (Pyromanie) oder medizinischen (Antipyretika) usw. verwendet wird bzw., daß Feuer, Seele und Verstand als metaphysische Einheit betrachtet werden können (Heraklit) und vieles mehr ...
Auszug aus "Von Prometheus zu Promethäusch - Entlarvung einer Feuermarionette" In: BRANDSchutzmagazin No 2, Stuttgart 2002, S. 123ff und Pyroporno
Feuer & Haus
Am Anfang wohnte Feuer in den Wolken. Von dort aus begab es sich wiederholt zu Blitzbesuchen auf Erden. An derlei Brennpunkten dann mutige Strolche so lange hausten, bis sie Seßhaft bekamen, weil sie über Feuerstelle und sich ein Haus gebaut hatten. Die Idee zum Haus ist eine Blitzableitung. Das erste Haus war eine Feuerwache, ist nun das Krankenhaus, das dringend einer Visite bedarf ...
Auszug aus einem 60minütigen, bisher unveröffentlichten Vortrag
Feuer & Kerze
... Doch wird immer wieder mit dem Beginn der Adventszeit, egal ob christlich oder andersgläubig, das Anzünden von Kerzen praktiziert, wie denn auch grundsätzlich die dunkle Jahreszeit diejenige war, in welcher seit Menschengedenken zahlreiche interkulturelle Firelichkeiten plaziert worden waren (Halloween, Allerheiligen, Totensonntag, Advent, Lichterfest der Heiligen Luzia, Wintersonnenwende, Weihnachten, Silvester, Neujahr, Fastnacht, Funkensonntag, Aschermittwoch usw.), welche auch in heutiger Zeit noch regelmäßig gefiret werden. Da sich ebenfalls interkulturell die Kerze als kleinster gemeinsamer Dauerbrenner durchgesetzt hat, liegt es nahe, sich einmal mit der Kulturgeschichte der Kerze interdisziplinär und künstlerisch multimedial und unterhaltend auseinanderzusetzen. Kerzenhistorie, Kerzenmaterie, Kerzenphilosophie, Kerzenmusik, Kerzenkunst, aber auch und ganz speziell Kerzensymbolik im Glauben und Brauch (Heidnisches, Unglaubliches, Makabres, Skurriles, Erotisches usw.) ...
Auszug aus einem 60minütigen, bisher unveröffentlichten Vortrag
Feuer & Kind
... Denn häusliche Feuerunfallgefahr existiert durch zunehmende Unwissenheit bez. der feuertüchtigen Erziehung von Kindern, welche in einer wichtigen Entwicklungsphase ihres Lebens den evolutionären Schritt vom fremdbestimmten Wesen zum Selbstbestimmenden vollziehen und somit auch die Lust am Feuer entdecken müssen. Und dieses spätestens zum Geburtstag irgendwo auftaucht, wo das Entzünden der Kerzen zuerst von Erwachsenen praktiziert wird. Dem kleinen Urmenschen des Fernwärme- und Kaltllichtmilieus offenbart sich urplötzlich ein Feuer als ein bis dato völlig unbekanntes, einheitliches Licht- und Wärmeereignis. Ausgelöst durch magische "Explosion" eines Streichholzes in elterlicher Hand wird dieser dann für das Kind unerklärlich zum Verlöschen gebracht. Der Feuermachende wird so zum Zauberer, dessen Zauber sich auf die brennende Kerze überträgt, die auch noch alles im Raum Anwesende mit ihrem Licht weiter verzaubert - oder auch dämonisiert. Eine komplexe Fülle an Gefühlen, verursacht von solch einer kleinen Flamme, macht diese für das Kind zum magisch-dämonischen Wesen, zu etwas wie das Kind vielleicht selber mal sein möchte oder vielleicht doch lieber nicht? Emotionale Ambivalenz verunsichert und wird so zur ersten Gefahrenquelle. Dieses kindliche Gefühl für Feuer kombiniert sich mit Elterngenerationen, welche überwiegend feuerreduziert und feuermedialisiert aufgewachsen sind, somit ihr Wissen um das prophylaktische Dreieck Kinder, Feuermachen und Sicherheit ein vages, ein ebenfalls verunsichertes ist. Sie bevorzugen dann doch lieber die Verhaftung mit einer Pädagogik, daß ihr Kind auf keinen Fall selber Feuer machen darf, und dieses eben darum auch nicht zu erlernen hat. So werden solche Kinder irgendwann zu zaubern anfangen, ohne wissen zu
können, wie tödlich das Wesen sein kann, mit dem sie eigentlich nur spielen wollten ...
Auszug aus "Kinderfeuer" In: BRANDSchutzmagazin No 11, Stuttgart 2004
Feuer & Kommunikation/Literatur/Buch
... Holzasche ist Schwarz auf Weiß. Lesen der Asche, der heißen/brandneuen Texte aus den stabilisierten Teilchen der Energiebefreiungen alles Daseienden. Unsere Vorfahren begannen Zeichen und Bilder auf Höhlenwände zu malen: dauerhaft, generationenübergreifend, weil witterungsgeschützt, über Jahrtausende weiterzüngelnd zu Sprache und Schrift, den Grundlagen für eine Entwicklung von Hochkultur ... Aus dem Hüter des Feuers ist nun auch ein Hüter der Sprache geworden ... Mensch + Feuer + Buch = Bildung ... ein Buch muß brennen, damit es Interesse zündet. Die Leser müssen erfahren, daß das Feuer des Autors gedruckt ist. Verlage verpulvern erhebliche Summen, damit aus einem Buch ein echter Knaller wird ... 7.000 Bücher von mehr als 10.000 Autoren, aufgelöst in Licht und Wärme und Rauch und Asche, gelöscht ihre Urheberschaft. Gedankenlesen ... Aus brennenden Seelen auf brennbarem Material geschrieben, welches dann brennend wiederum branderneuerte Texte hinterläßt - phönixstisch ... Feuer als Ghost Writer ...
Auszug aus "Feuer und Kommunikation." In: 233° Celsius - Ein Feuerbuch
Feuer & Krieg
... Und da gehört sie nämlich hin die psychologische Kategorisierung der Schadensbrandstiftung. Ins Militärische, der staatlich autorisierten Inbrandsetzung von Haus, Hof und Menschen. Warum wird eigentlich nicht das Libidinöse, das Perverse der Brandstiftung, welches dem Einmaltäter surreal unterstellt wird, übertragen auf all diejenigen, welche militärisch legalisierte Brandstiftungen verursachen, und Bilder ihrer Brünste auch noch medial multiplizieren? Wer die besten Feuerwaffen hat, beansprucht oberste Potenz auf diesem Planeten. Sich als Führer, König, Kanzler oder Präsident mit Feuer zu zeigen imponiert völkisch ungemein, suggeriert allmächtig und -erhaben zu sein. Denn das historische Siegerbild, auf das wir psychologisch geeicht sind, ist eben Hab und Gut und Palast des Feindes in Flammen. Erst dann galt die Eroberung bzw. Vernichtung bei allen Gewinnern und Verlierern als manifestiert. Kunst- und Krieggeschichte sind voll von derartig geräucherten Schinken ...
Auszug aus Pyroporno
Feuer & Kulturgeschichte
... Anfang ist Feuer ist Ende. Dazwischen passt nur noch Brennzeit. Wobei es dem Brennen egal ist, aus welchen chemischen Mischungen es sich verspeist. Aus überfliegender Ferne betrachtet ist aus der Erde eine dauerbrennende Geburtstagstorte geworden - Resultat menschgemachter Feuerchen, denn natürlich verursachte Brände sind zu Randerscheinungen qualifiziert. Es ist heute einer der größten gemeinsamen Brenner interkultureller Allgemeinbildung, daß eine Spezies der Hominiden mit der Entdeckung der Feuernutzung auf diesem Planeten herrschaftlich durchgebrannt ist. Denn aus der Feuernutzung leiteten ihre Kreativsten die Feuererzeugung ab und schafften sogar über Jahrtausende die Licht- und Wärmebeute des Brennens derart zu optimieren, daß bald ein einziges Knöpfchen ausreichen wird, Lebens- und Partylicht aller höheren Lebewesen auf dieser Kugel für immer auszublasen ...
Auszug aus "Von Prometheus zu Promethäusch - Entlarvung einer Feuermarionette" In: BRANDSchutzmagazin No 2, Stuttgart 2002, S. 123ff
Feuer & Metaphorik
... Menschen verzweifeln in allen Sprachen daran, sowohl Gefühle als auch geistige Befindlichkeiten in treffenden Worten auszudrücken. So entsprang in der Verbalisierung des Unbeschreiblichen auf der Basis antiquierter außen- und innenweltlicher, vier- oder mehrelementiger Kategorisierungen (Erde - Wasser - Luft - Feuer - Holz - Metall etc.) eine dementsprechende Metaphorik - sozusagen als lindernde Heilmittel gegen die Unvermittelbarkeit emotionaler und mentaler Unsagbarkeiten. Emotionen, Mentalitäten, Spiritualitäten derart verbal veranschauLICHT ließen sich dann SCHEINbar unmissverständlich zur Synonymie von Leben und Feuer verführen, da reflexiv körperliche Wärme schon immer als Beweis für die Feuerlichkeit allen Lebens galt, denn dieses dann am Ende ausgeblasen wurde bzw. erlosch bzw. wer intensiv lebte, seine Kerze sowieso an beiden Enden angezündet hatte. Lebensdauer wurde zur Brenndauer. To be alive is to be burning. Und als es dann nicht nur hominid-evolutionär-konkurrierend sondern auch kulturell um eine Artikulation besonders intensiver Gefühlswallungen ging - wie sage/schreibe ich es meiner/m Liebsten am besten? - fokussierten sich hierfür natürlich nur die heißesten Metaphern ...
Auszug aus "Dauerbrenner." In: Pyroporno
Feuer & Musik
... Big Bang: Urknall! Am Anfang war das Feuer auch der erste Ton. Keine Fire (sprich: Feier) ohne Feuer - und Musik und Gesang und Tanz. Lagerfeuer ist Konzert. Mit Gesengen retteten drei Männer lt. Bibel ihr Leben aus dem Feuerofen. Pyrophonie, Feuerschlachtmusik, Feuerwerksmusik, Feuerwehrmusikkapellen, POPelige "Brandsätze", brennende Gitarren und ZünFonien - alles brennt solange, bis der/das Letzte die Musik gelöscht hat, pyrockalypsotikiert ist in die wohlverdiente Feuerpause. Anfang ist Feuer ist Ende. Dazwischen brennt die Zeit. Hörst Du das nicht? ...
Auszug eines 60minütigen, bisher unveröffentlichten Vortrags, aus welchem u.a. das Hörspiel Ins Feuer hören/Listen to the Fire destilliert worden ist
Feuer & Mythos
... In ihren Mythen definierten unsere Vorfahren den Moment des ersten Menschseins als denjenigen, in welchem der erste von ihnen das Feuer verläßt, somit das animalischzüngelnde hinter sich läßt, und sofort erkennt und zugleich bekennt, daß er von nun an das Feuer beherrschen wird, um selber zu herrschen. Die Entstehung dieses ersten Menschen erklärte sich das aufwachende Bewußtsein als eine feuerprozessuale. Geboren aus dem Feuer - gebranntes Kind - zündelte der erste feuermachende Mensch sofort an seiner Potenzierung, körperlich und geistig, sexuell und kulturell ... Ontologisch und hermeneutisch kann nur das Menschenleben ein Feuerleben sein ...
Auszug aus Pyroporno
Feuer & Philosophie
... Aus urmenschlicher Sicht konnte der Besitz des Feuers nur aus Raub erklärt werden, denn es war ja nie wie Wasser, Erde oder Luft permanent existent ... Erst dem Menschen gelang es, eine temporäre Blitzschlagfeuerbaumbrandstelle als Dauerbrenner auf Erden zu unterhalten, somit Feuer, welches eigentlich nach oben gehört, sozusagen illegal unten zu halten, "eigenhändig" gefangen. Und als unser Vorfahr dann geistig so weit gedieh, die Konsequenzen seiner Blitzableitung zu reflektieren, blieb als einzige Erklärung für diese Hybris nur der Diebstahl übrig... in der Hermeneutik vom Klauen des Feuers beraubte sich eines Spezies der hominiden simultan auch ihrer eigenen Unschuld und verlor somit endgültig ihren Status als unschuldiges Tier auf diesem Planeten - also mußte selbstverschuldet schuldbewußt feuergeopfert werden... Mit dem Feuer kamen die Gotts - und deren irdische Stellvertreter, die des Feuermachens Mächtigen ...
Auszug aus Pyroporno
Feuer & Psychologie
... Aber Feuer zu beherrschen impliziert vom Zündzeitpunkt an sofort, auch sich selbst zu beherrschen. Und dieses Dilemma vollendet die anthropogene Synonymität von Leben und Brennen ...
Auszug aus "Emotionen in Fernwärm- und Kaltlichtmilieus". In: Pyroporno
Feuer & Pyromanie
... Der Mensch ist das einzige, biologische Wesen, welchem es gelungen ist, selber Feuer zu erzeugen und zu kontrollieren. Es begann der Weg von der Wärmenatur, dem reinen Triebwesen, zur Wärmekultur, dem Triebkontrolleur- bzw verzichter. Jeder Mensch, der ein Feuer entzündet, pendelt somit jedesmal zwischen der Natur, es einfach brennen zu lassen und der Kultur, dieses Brennen dann doch kontrollieren bzw. löschen zu müssen und/oder zu wollen ... Doch gab bzw. gibt es diese Einsicht partiell bis heute nicht, sodaß ab Aufkommen der Lehre von den Willenskrankheiten lieber gepredigt wurde, daß derjenige, welcher gerne mit Feuer spielt, einen monomanischen Feuerfall repräsentiert ...
Auszug aus Pyroporno
Feuer & Schule
... sowie der Risikobereitschaft der Schulleitung des LUISE-HENRIETTE GYMNASIUMs und aller anderen Beteiligten, sich auf ein derart brandneues Wagnis einzulassen, SchülerInnen singen, musizieren, spielen und tanzen mit offenem Feuer ... Die Welturaufführung fand am 24. Mai 2003 statt ... Somit geschah Unvorstellbares: FEUERVERSICHERUNG sponsort FEUERMUSIKTHEATER! Hurra, hurra, die Schule brennt und alle dürfen sitzenbleiben und verfolgen Szenarien im Mix aus Märchenfragment (Hänsel und Gretel), Kriegsmedialität und Hollywoodexplosionsperversionen (Videoprojektion), Massenpsychologie ("Führer bzw. Feuer wir folgen dir"-Mentalität), Mythos (Feuerfrau, Phönix) und feuerambivalenter Musikauswahl (z.B. Schlager [Udo Jürgens], Kälbermarsch [Hanns Eisler], Klassik [Strawinsky], Kinderlieder [z.B. Ein Vogel wollte Hochzeit machen ...] und noch andere) und Flamme-Glut-Asche-Farbigkeiten (Bühnenlicht, Kostüme, Requisite) undundund ... Luise-Henriettische Märchenfunken stiebten, sprühten und sprangen von der Bühne ins Publikum. Wer sich von den abendlich mehr als 300 Zuschauern einen fangen konnte, wurde von diesem garantiert noch länger erwärmt und erleuchtet. Nach vier ausverkauften Vorstellungen waren alle und alles ausgebrannt. Dennoch erschienen sämtliche SchülerInnen am nächsten Tag noch einmal zum Fegefeuer. Sie räumten auf und hinterließen den Gastgebern eine brandspurenlose Halle ...
Auszug aus "Wenn Märchenfunken wa(h)r(m) werden ..." In: BRANDSchutzmagazin No 12, Stuttgart 2003, S. 923ff
Feuer & Sexualität
... Es ist auffällig, daß in zivilisationsgeschichtlichen Darstellungen das Thema der Entdeckung der menschlichen Erzeugung von Feuer i.d.R. reduziert wird auf Artikulationen wie, "... und als dann die Menschen Feuer selber erzeugen konnten". Es findet sich zwar der paläontologische Konsens, daß die ersten menschgemachten Feuer dieser Welt mittels Holzstöckchenreibung erzeugt wurden, doch wie ein primitiver Geist auf eben dieses Verfahren kommen konnte, zumal in der Natur nicht zu finden ist, daß sich reibende Zweige an einem Baum so weit erhitzen, daß sie entflammen, somit ein äffisches Kopieren durch Menschen ausgeschlossen ist, darüber wird wenn, dann nur in einem Nebensatz spekuliert. Es scheint so etwas zu geben, wie eine Tabuisierung der These bez. der Erfindung des Feuermachens. Denn bei genauerem Studium der Beziehung des Menschen zum Feuer lodern etliche Hinweise auf die zivilisations- und kulturgründende Synergie von Feuer und Sexualität auf ...
Auszug aus "Von/m Vögeln zum Feuermachen". In: Pyroporno
Feuer & Silvester
... Das traditionelle Feiern Silvesters (lat. silvestris: waldig, silvestria: Waldgegend, silvestris animus: ursprüngliche Wildheit) mit Feuer und Musik leitet sich urheberisch aus folgender Mischung ab: Papst Silvester der I. gilt als der Namensgeber des mit Orakel- und Lärmbrauchtum zu begrüßenden Neujahrs; die Langeweile in den Winterquartieren des 30jährigen Krieges verführte einige feuerwassergefüllte Soldaten dazu, das Neujahr nicht nur anzugrölen sondern auch anzuballern; Peter der Große hatte dann im 18..Jahrhundert in Rußland den Brauch eingeführt, den Jahresbeginn mit einem großen Feuerwerk zu feiern ...
Auszug aus "Um 12 herrscht König Feurio - Über babylonisches Kokeln und gewöhnliches Abfackeln. Flamboyante Handreichungen zu Silvester". In: TAZ, 31.12.1996
Feuer & Theater
... Das Sitzen an einer Feuerstelle war und ist ein Theaterbesuch. Das Feuer führte schon in Urzeiten Regie, war Handlung und Botschaft - gezeigt wurde: "Die brennende Spielstätte ..." mit der Erkenntnis: ... ist ein Theater! Jede Vorstellung war anders - und interaktiv: man tat etwas ins Feuer und schon wurde daraus ein brandneues Stück ...
Auszug aus "Am Anfang brannte Theater - mit Gedankenschnelle verbreitete sich nunmehr das Feuer ...". In: "Theaterperipherien", Hartmut Fischer (Hrsg.), Tübingen 2001, S.165ff
Feuer & Urbanität
... Mit dem Verschwinden des unmittelbar wahrnehmbaren Feuers verschwand auch die elementare Sinnlichkeit der häuslichen Einheit von Licht und Wärme, sowie das eigene Verantwortungsbewußtsein für deren mühevolle Aufrechterhaltung. Mittels knopfdruckdesignter Kaltlicht- und Fernwärmeversorgung wurden dann Sinnlichkeit und Eigenverantwortung immer mehr banalisiert, sodaß sich eben auch das Leben in urbanen Räumen immer mehr urbanalisiert hat.... D.h. eine öffentliche Feuerstelle, menschlich kontrolliert in ihrem Brennen, kreiert den Urraum von Zivilisation, ist eine Kulturstätte, eine soziale Skulptur, ist ein kommunikativer und meditativer Ort ... Kontrolle über eigenes Feuer, somit über eigenes Tun und Handeln impliziert Verantwortung für dasselbe zu tragen ...
Auszug aus "Sind Sie denn verrückt geworden? - Erkenntnisse über öffentliche Entzündungen im urbanalisierten Raum." In: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), Feuer: Ergebnisse des internationalen Kongresses vom 26.-29.Oktober 2000, Köln 2001, S.471ff
Feuer & Vogel
... der Mythos kürt die Selbstveraschung zu einer für den hochbetagten Vogel Phoenix einzig möglichen Form der Wiedergeburt. Phoenix-Junior erhebt sich aus der Glutasche des Veralteten, als brandneuer Vogel flüggt er auf und davon ... Leider hat es ihn nie gegeben. Denn für den Menschen existiert das verfliegende Wesen des Feuers eben darin und nur so lange, bis es sich selbst aufgefressen und weggeraucht hat, verbunden mit der praktischen Erfahrung, daß solange das Unverdauliche bzw. Nichtauflösliche dieser Selbstverfütterung noch heiß ist, solange ist es möglich, diese Asche zu blasen, hölzernes Viagra aufzulegen, bis daß der Vogel wieder lodernd erigiert ... Feuer und Vogel. Eine Kombination, welche sich auffallend oft in der großen Zahl internationaler Feuerherkunftsmythen findet, sodaß sich hierzu feststellen läßt, daß grundsätzlich alle mythischen und religiösen Wesen, die fliegen können, auch über feurige Eigenschaften und Fähigkeiten verfügen bzw. als Feuerbesitzer, -entdecker, -diebe, -bringer, -macher und -lehrer betrachtet wurden ...
Auszug aus "Von/m Vögeln zum Feuermachen". In: Pyroporno
Feuer & Wald
... Das Durchstreifen frischgebrannter Wälder und der darin vorgefundene warme, duftende, schmackhaftere, leichter verdaulichere, haltbarere, weil geräucherte, Wildbraten hat nämlich unsere Vorfahren so richtig heiß gemacht - auf Feuer. Und die reale Ursache für prähistorische Waldbrände ohne chemisches oder physikalisches Wissen war für jeden Hominiden damaliger Zeiten hin und wieder sicht- und vor allen Dingen genießbar: Blitz trifft Baum, Baum brennt, erst ein, dann zwei und dann der ganze Wald; dann hieß es warten, bis sich das Feuer satt und selbst aufgefressen hat und dann auf zum Plündern der ersten Würstchenbuden der Menschheit ...
Auszug aus "Von/m Vögeln zum Feuermachen". In: Pyroporno
Feuer & Wasser
Wasser ist fest, flüssig und gasförmig - solange wie ein Feuer in entsprechender Nähe brennt. Ohne dessen Wärmestrahlung gäbe es noch nicht einmal Eis. Wir haben das große Glück, auf einem Planeten zu leben, der sowohl von unten als auch von oben relativ optimiert beheizt wird, somit Wasser Wasser sein kann. Wir trinken, waschen und baden im feurigen Gleichgewicht zwischen den Kernzerfallsprozessen im Erdinnern und den Kernverschmelzungsprozessen der Sonne ... Feuer und Wasser, verbalisiert zur Metapher des Gegensätzlichen, sowie assoziiert als verfeindete Elemente, sind bei wissenschaftlicher Betrachtung genau das Gegenteil: sie harmonieren. Ihr physikalisches Verhalten wie ihre Übergänge sind fließend: Brandung ist das Wort, wo Wasser Feuer wird, und Feuerberge haben einen Lavafluß. In Dampfmaschinen trieb Feuer Wasser an und beschleunigte die Weltgeschichte wasserstoffexplosiv. Wasser konnte noch nie Feuer löschen, sondern nur brennendes Material dahingehend kühlen, daß lodernde Flammen verrauchen. Mit Feuer wird Wasser zum Kochen gebracht, woraus ein Kaffee oder eine Suppe gebrüht werden. Und köstliche Ingredienzen destillieren zu Feuerwasser, den geistigen Getränken - als brennendes Wasser oder als nasses Feuer?
Auszug aus einem 60minütigen, bisher unveröffentlichten Vortrag
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